Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall


Wer nur den Titel liest, könnte kitschigen Content vermuten, wer weiter liest, der bekommt einen wunderbar traurig-realen Roman vorgesetzt, der nicht so schnell aufhören sollte. Daniela Kriens drittes Buch lässt uns schaudern, verzweifeln und zugleich beglückt auf das Leben schauen.

Fünf Frauen in Leipzig. Alle haben ihre Sorgen, alle haben bisher viel erlebt in ihrem Leben, keine hat es leicht. Trotzdem habe ich mit jeder von ihr mitgefiebert, mitgelitten, ich wurde enttäuscht und habe die Hoffnung doch nicht verloren. Doch worum geht es eigentlich?

Daniela Krien legt mit „Die Liebe im Ernstfall“ keinen klassischen Roman vor, sondern eher fünf Geschichten, die locker miteinander verbunden sind, denn jede ihrer Protagonistinnen hat etwas mit einer der anderen zu tun und spielt eine kleine Nebenrolle in einer anderen Geschichte.

Fünf Namen – fünf Kapitel

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde sind die fünf Frauen, denen wir im Laufe des Buches begegnen und die fünf Kapitel des Romans tragen ebenfalls ihre Namen. Jede von ihnen hat es im Leben schwer gehabt, doch statt sich aufzugeben, sind sie stärker geworden. Sie sind auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, das aber für jede von ihnen anders ist.

Paula

„Der Tag, an dem Paula feststellt, glücklich zu sein, ist ein Sonntag im März.“

Paula, die Mutter von Tochter Leni, hat nach der Trennung von ihrem Ehemann nun doch eine neue Liebe gefunden. Wir erfahren wenig, aber genug von den neuen Gefühlen und viel von dem alten Leben und dem Schicksalsschlag, der das Paar auseinander gebracht hat. Immer wieder taucht auch Paulas beste Freundin Judith auf, mit der es weitergeht.

Judith

Judith ist Ärztin, nachdem Paula und Judith aus ihrer Heimatstadt weggegangen sind und sich um das Studium bzw. die Ausbildung gekümmert haben, verlieren sie sich aus den Augen. In Leipzig treffen sie sich wieder. Judith ist Single, hat eine Affäre und Dates, die ihr nichts geben.

„In ihren Sucheinstellungen hat sie Nichtraucher gewählt und keinen Kinderwunsch. Beim Alter ist sie großzügig. Zwischen 35 und 55 dürfen sie sein, wobei ein 55-Jähriger einiges zu bieten haben müsste, um den Altersunterschied wettzumachen. Sie ist Ärztin, sie kennt die Probleme der Männer über 50. Eine harte, langanhaltende Erektion ist ein unwahrscheinlicher Glücksfall in diesem Alter. Wie ein Lottogewinn. Aber sie spielt kein Lotto.“

In Judiths Geschichte geht es um ihre Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Um ihr Leben zwischen forderndem Job, Freizeit mit dem Pferd, Suche nach einem Partner an ihrer Seite, Freundschaft und Alleinsein. Am Schluss sitzt sie – wie auch Paula und ihr neuer Freund – bei einer Lesung.

Brida

Die dritte Frau im Bunde ist Schriftstellerin. In diese Figur kann sich Daniela Krien selbst am besten hineinfühlen, sagt sie bei einer Lesung bei der Leipziger Buchmesse 2019. Schließlich gehe es ihr ähnlich. Trotzdem solle man das Buch als das lesen, was es ist: Fiktion.

Auch bei Brida geht es um Gefühle und um Beziehungen, um das Lebens als Freiberufler und um Scheidung, den Umgang mit der Neuen und das Leben als Alleinerziehende.

„Sie möchte zu Götz gehen, es ihm erzählen, ihn bitten, mit ihr zu dem Bauern zu fahren. Aber sie gibt dem Impuls nicht nach. Er ist nicht mehr die Person, auf die sie sich bezieht. Er ist nicht mehr ihr Mann. Sie muss es sich sagen. Immer wieder:

Er ist nicht mehr mein Mann.

Malika

Als Musikerin ist Malika von den schönen Künsten angetan. Sie mag die Bücher von Brida, denn deren Protagonisten haben Ähnlichkeiten mit Götz. Götz, Bridas Exmann, war vor ihr mit Malika zusammen. Doch der Kinderwunsch, der unerfüllt bleibt, bringt sie auseinander.

„Sie schwieg, als er begann, sich sorgfältiger zu kleiden. Sie schwieg, als seine Reisen sich häuften und dehnten und er bei seiner Rückkehr nicht hungrig nach ihr war. […]

Nachts rissen Alpträume sie in finstere Welten. Wachte sie auf, war ihr übel vor Angst. Sie konnte Götz nicht verlieren.“

Außerdem hat Malika harte Konkurrenz: Ihre Schwester, der offenbar alles besser gelingt als ihr.

Jorinde

Sie ist hübscher als ihr Schwester, sie ist Schauspielerin, sie hat ein Kind und einen Mann, offenbar ein perfektes Leben, doch auch Jorinde trägt ihr Päckchen mit sich.

„Jorinde legt den Finger auf die Klingel. Sie zieht die Mundwinkel nach oben und macht große Augen. Sie weiß, wie sie das innere Strahlen erzeugt. Jetzt muss es lediglich bin in die dritte Etage halten. […] Keine drei Stunden sind vergangen, seit Torben dicht vor ihr gestanden und gebrüllt hatte, sie sei vollkommen verrückt.“

Probleme der modernen Frau – kaum Klischees

„Die Liebe im Ernstfall“ ist das erste Buch, das ich von Daniela Krien gelesen habe, aber sie hat mir auf jeden Fall Lust gemacht auf mehr. Dass es sich bei dem Buch nicht um einen Roman handelt, der klassisch aufgebaut ist, sondern eher um lose Geschichten, die miteinander verbunden sind, hat der Spannung keinerlei Abbruch getan. Ich mag den starken Schreibstil der Autorin, die keine langatmigen Beschreibungen braucht, um dichte Bilder zu erschaffen.

Absoluter Lesetipp!

Für mich ist „Die Liebe im Ernstfall“ ein Lesehighlight und ein Buch, dass ich auf jeden Fall wieder einmal lesen werde.

Weitere Rezensionen:

Lesen… in vollen Zügen

Literat(o)ur

Die Zitronenfalterin

Infos:

„Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien ist bei Diogenes erschienen. (1. März 2019)

288 Seiten 
ISBN: 978-3-257-07053-8

Das Hardcover kostet 22,00 Euro, das E-Book 18,99 Euro, ein Taschenbuch ist noch nicht erschienen. (Stand: 31.05.2019)

Bestsellerpotential?

Auf jeden Fall. Das Buch ist seit 13 Wochen in den Deutschen Bestsellercharts und hat es bis Platz 5 geschafft, derzeit ist es auf Platz 9 vertreten.

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